Die Bücher

Meine ersten beiden Bücher sind fast zeitgleich im Jahr 2000 erschienen, daher kann ich gar nicht mal sagen, welches wirklich das erste war. Es ist aber sowieso besser, über Das zynische Gag-Lexikon den Mantel des Schweigens zu breiten, die Schwarte war ziemlich furchtbar. Ich hatte einige tausend Gags aus meiner Zeit als Witzelieferant bei diversen TV- und Radioshows in Form eines Lexikons verbraten. Noch heute verblüfft es mich, dafür einen Verlag gefunden und sogar Geld damit verdient zu haben.

 

Auf Köln für Imis bin ich ungleich stolzer - nicht zuletzt, weil es Klagedrohungen von Lokalpolitikern und dem Bankhaus Sal. Oppenheim einheimste - die höchste Auszeichnung für Satiriker. In vier Inkarnationen investierte ich sehr viel Zeit und Mühe, um den armen Teufeln, die es so wie mich in die hirnamputierte Mediendeponie am Rhein verschlagen hatte, irgendwie begreiflich zu machen, was dieses Dingsbums namens Köln zum Ticken bringt. Ein Unterfangen, das ich noch mit einer schlecht kaschierten Hasstirade namens Warum Männer beim Kölschtrinken nicht zuhören und Frauen das ziemlich egal ist (ein dämlicher Titel, der nicht von mir stammt) fortsetzen konnte. Mein späteres Buch Populäre Rheinland-Irrtümer war logischerweise das unpopulärste meiner Rheinland-Trilogie.

 

Nach meinem Umzug nach Berlin trachtete ich danach, dasselbe Muster zu wiederholen, und siehe da, ein Verlag brachte tatsächlich meine Berlin-Satire raus unter dem Titel Buch für Berlin-Hasser. Aufgrund der Blödigkeit dieses Titels (Menschen, die Berlin hassen, verlaufen sich selten in die Berlin-Abteilung der Buchhandlung, behaupte ich jetzt mal ganz nüchtern) konnte es an meinen Erfolg von Köln nicht anknüpfen. Ich werde nie vergessen, wie ich aus dem Buch in einem Theater in Potsdam vorlas - mit zwei zahlenden Zuhörern. Es schien Zeit für eine Neu-Orientierung.

 

Es gab da noch diesen Krimi namens Das Motiv, der bei einem Kleinverlag erschienen war und in Köln angesiedelt war. Ich ließ mir die Rechte zurückgeben, strickte alles auf Berlin um (nicht ganz fehlerfrei, wie einige Leser der Erstausgabe säuerlich konstatierten) und veröffentlichte bei amazon KDP mein erstes eBook unter dem Titel Halbe Leichen.

 

Wieso das Buch trotz eines damals sehr schäbigen Covers und ohne jede Werbung meinerseits nach ein paar Monaten auf Platz 1 der Kindle-Bestsellerliste stand, weiß ich bis heute nicht. Lisa Becker, eine mollige, komplexbeladene Kriminalkommissarin, schien einen Nerv getroffen zu haben im überfrachteten deutschen Krimi-Einerlei mit seinen kreuzbraven Beamten aus dem Otto-Katalog. Es schien so, als wollte das Medium eBook den Regeln, die von der Verlagsbranche aufgestellt worden sind, einfach nicht gehorchen. Das gefiel mir.

 

Weil mir das Genre Psycho-Thriller mit seiner künstlichen, gewollt düsteren Endzeitstimmung nie besonders zugesagt hat, ging ich nicht nur mit Lisa Becker, sondern auch mit meiner zweiten Kreation, Privatdetektiv Philip Eckstein, in eine andere Richtung: Mehr Spaß, weniger billige Schockeffekte. Statt Blut in Adern gefrieren zu lassen, wollte ich lieber unterhalten. Und der Erfolg hat mir recht gegeben - nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA.

 

Wie es mit meinem neuesten Helden Wes Tucker weitergeht, wird die Zukunft weisen. Ich mag den Kerl, und ich hoffe, Sie auch. Es kann gut sein, dass sich alle meine Figuren im Laufe der Zeit in den Büchern begegnen - das sollte leicht sein, denn sie tummeln sich ja alle in Deutschlands bester Hauptstadt. Wer also alle meine Bücher liest, kann sich freuen, weil er ein halbes Dutzend Witze besser versteht als die anderen. Viel Spaß!